Ein ungeheurer Verdacht: Zum Vorfall im Casino Henrik de Graafs

Aus dem Archiv

 

Von Olivia Lupin

 

Schrecksekunde an der Roten Promenade: Die Eröffnungsfeier des neuen Luxuscasinos wurde von vermummten Unruhestiftern gestört. Ausdruck öffentlichen Unmuts am schwerreichen Besitzer Henrik de Graaf oder eine Kriegserklärung des Syndikats? Erfahren Sie hier die ganze Wahrheit.

 

Ein Kommentar

 

Henrik de Graaf sollte seine Gegner nicht unterschätzen.

 

Nach den massiven Protesten, die die Errichtung der drei Casinos im berüchtigten Ausgehviertel Dysturbias begleitet hatten, schienen die Wogen mit dem Versprechen de Graafs, zum Ausgleich die Sanierung des Central Parks zu unterstützen, endlich geglättet. Wie sich bei der Eröffnung des Flaggschiffs The Honeypot Casino herausstellte, war diese Hoffnung jedoch vergeblich: Während drinnen die Feierlichkeiten ihren Höhepunkt erreichten, überwältigten mehrere vermummte Gestalten die am Eingang postierten Wachleute, brachen in die Lobby ein und betraten die Feier im Erdgeschoss mit gezückten Pistolen.

Es grenzt an ein Wunder, dass der Tumult, der daraufhin unter den Gästen ausbrach, keine ernsthaften Verletzungen zur Folge hatte. Drei Personen mit leichten Blessuren konnten vor Ort versorgt werden, während ein älterer Herr, der seine Herztabletten zu Hause vergessen hatte, ins Dysturbia Hospital abtransportiert werden musste. Die Vermummten verschwanden unerkannt und ohne einen Schuss abzugeben.

Ist diese Tat wirklich ein Ausdruck des allgemeinen Unmuts, als der sie in der Berichterstattung dargestellt wird? Ein Aufbegehren des kleinen Mannes gegen die skrupellose Machtelite, die noch mehr Reichtum anhäufen will?

Vieles spricht dafür, dass es sich anders verhält. Ein aufmerksamer Beobachter der Vorgänge in Dysturbia wird schnell vermuten, dass die ganze Aktion lediglich eine Machtdemonstration des Syndikats war – und eine Demonstration der Schwäche de Graafs, der trotz zahlreicher Sicherheitsvorkehrungen nicht in der Lage gewesen wäre, seine illustre Gästeschar – darunter Politiker und Wirtschaftsgrößen – vor Schlimmerem zu bewahren.

Es ist kein Geheimnis, dass de Graafs Weste selbst nicht die fleckenloseste ist. Immer wieder wurde seinen Spielhöllen Betrug vorgeworfen, auch Gerüchte um Geldwäsche und Drogenschmuggel halten sich hartnäckig. Er könnte damit in Sphären geraten sein, die das Syndikat für sich reklamiert, und zwar für sich allein. Dass es Konkurrenten und Widersacher kompromisslos aus dem Weg räumen kann, hat es schon oft bewiesen. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es auch an diesem Vorfall seinen Anteil hat. Und falls das stimmt: Wäre es dann nicht sogar denkbar, dass es bereits die Proteste gegen den Bau der Casinos angeregt und orchestriert hat?

De Graaf hat die Botschaft sicher verstanden, auch wenn er sich gegenüber unserer Zeitung nicht äußern wollte. Er sollte von nun an auf der Hut sein ...

 

Mehr dazu im Fall Falsches Spiel im Casino.

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